Männer-Kolumne auf Radio eins

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Derzeit arbeite ich an meinem aktuellen Buch, das im Herbst 2009 im Rowohlt Verlag Berlin erscheinen soll. Das blockiert meine sämtlichen Energiene, weshalb ich die Einträge auf diesem Block sträflich vernachlässigt habe. Tut mir leid. Soll man nicht machen, ich weiss. Ende April, Anfang Mai wir das anders. Da werde ich mich hier regelmässig melden, versprochen. In der Zwischenzeit ein kleiner Hinweis in eigener Sache:

Seit einigen Monaten ist jeden Freitag um 16:10 Uhr meine Kolumne auf Radio eins (RBB) zu hören. Titel der Sendung: “Männer – Helden, Patienten”. Und es geht darin um alle Fragen, die uns Jungs so beschäftigen.

Ein Archiv mit sämtlichen bisherigen Folgen ist hier zu finden.

Bis bald.

Deutschlandfunk > Corso > Interview

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Hier gibt es den Podcast des heutigen (23.10.2008) Interviews zu hören, das Christian Ankowitsch mit “Corso” vom Deutschlandfunk geführt hat. Es geht vorwiegend um das Buch “Wir Jungs”, aber auch um das WebTV-Format “Dr. Ankos 365″. Gesamtlänge: ca. 9 min.

Tagung > 28.10. > Bertelsmann Stiftung

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Am 28. Oktober 2008 findet in Berlin eine spannende Tagung zum Thema “Null Bock auf Familie?
Der schwierige Weg junger Männer in die Vaterschaft
“. Weiterführende Informationen gibt es auf der Homepage der Stiftung.

Ort: dbb forum Berlin, Friedrichstr. 169/170, 10117 Berlin

Wir Jungs – zum hören 2

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Mittlerweile gab es weitere Folgen meiner Jungs-und-Männer-Kolumne bei Radio eins. Und zwar folgende:

Einmal der Held des Alltags sein

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Für den Vater von heute, zumal jenen, der in der Stadt wohnt, gibt es kaum Gelegenheiten, sich vor den eigenen Jungs als Held des Alltags zu beweisen. Als es noch galt, wild lebende Tiere zumindest von der eigenen Wohnung fernzuhalten, boten sich solche Chancen am laufenden Band. Die Kinder konnten, so sie wollten, den Vater dabei beobachten, wie er eine Runde mit einem Bären oder einem Wolf rang bzw. sie mit brennenden Ästen in die Flucht schlug.

Der moderne Mann muß auf solche Gelegenheiten, zumal aus sozial kompatible, deutlich länger warten. So ist es umso bemerkenswerter, wenn sich mitten unter der Woche eine solche Chance bietet. So erst kürzlich, als ich mit dem Großen, der Geburtstag hatte, seinen neuen ferngesteuerten Flieger ausprobieren wollte.

Da in der Wohnung der Schrank mit den Gläsern im Wege war, verzogen wir uns auf eine nahe Kleinwiese vor einer Wohnanlage aus den 70ern. Wir hatten die Wiese kaum betreten, da landete der Sohn den neuen Flieger punktgenau auf einem Balkon im 1. Stock. Große Verzweiflung. Traurige Augen.

Wir mussten also viele Klingelknöpfe drücken, bis uns schliesslich eine ältere Dame öffnete. Sie wohnte, das der erste kleine Erfolg, direkt neben der Wohnung mit dem Lande-Balkon. Nach einigem Hin und Her liess uns die Dame rein und wir fanden den Flieger tatsächlich auf dem Nachbarbalkon, der durch eine 40 cm dicke Mauer von jenem getrennt war, auf dem wir standen.

Und nun die niederschmetternde Nachricht: Die Nachbarn waren eben in die Herbstferien gefahren. Der neue Flieger würde also noch 1 Woche da drüben liegen, so nah und doch so fern. Ratlos trampelten wir auf dem kleinen Balkon im Kreis, bis die alte Dame damit begann, ihre Blumenkisten von der Brüstung zu heben. “Sie klettern da jetzt rüber und holen den Flieger!” befahl sie. Der Sohn sprach mahnende, zur Umkehr drängende Worte, ich überlegte. “Die Nachbarn haben das auch schon mal gemacht, als sie den Schlüssel vergessen haben!”

So schwang ich mich schliesslich auf die Brüstung und kletterte auf den Nachbarbalkon, nicht ohne dabei in die Tiefe zu sehen, die nun plötzlich deutlich tiefer aussah als von unten, von der Kleinwiese aus. Egal! Ich war nicht nur eben dabei, den Flieger zu holen, sondern eine Aufgabe zu bestehen, die mir mein Großer geschenkt hatte. Und Geschenke darf man nicht ablehnen, schon gar nicht solche, die man selten bekommt.

Auf dem fremden Balkon war mir kurz so, also wäre doch jemand zu Hause, doch es waren die Schatten der Befürchtungen, die da durch die Wohnung huschten.

Auf dem wirklich sehr großen Platz dann gelang es uns dann dennoch, den neuen Flieger in einen Baum zu fliegen und erst nach einigem Gerüttel zur Landung zu zwingen, aber die Szene war nicht annähernd mit jenem Moment zu vergleichen, da ich mal der Alltagsheld sein konnte - freilich mit dem wehe Gefühl, dass es mehr solche Chancen geben sollte.

Schnell, verstecken! Und das GPS nicht vergessen!

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Jungs, die etwas Wichtiges, Wertvolles oder Geheimes besitzen, sollten wissen, wo sie es gegebenenfalls verstecken können. Dieses Etwas können auch sie selber sein.
Hier ein paar Ideen, welche Orte sich dafür anbieten, was man bedenken muss – und wie man aus dem Verstecken ein spannendes Spiel namens „Geocaching“ machen kann.

Dinge verstecken

  • Klassische Verstecke vermeiden
    Dort suchen alle zuerst. Also nichts unter die Fußmatte legen, in einem Blumentopf oder in der Waschpulver-Box versenken (wo viele während eines Urlaubs ihre Wertsachen hineingeben).
  • Vergraben
    Da ist vergraben schon besser. Nicht ohne Grund tun es die Menschen und Piraten seit vielen Jahrhunderten. Den fraglichen Gegenstand wasserdicht einpacken und in der Nähe eines markanten Punktes in der Erde versenken. Skizze anfertigen. Nicht vergessen, es rechtzeitig wieder hervorzuholen.
  • Schlüsselstein
    Sieht aus wie ein normaler Stein, ist aber aus Kunststoff und hat ein kleines Fach, in das man einen Schlüssel oder etwas Kleines reintun kann. Irgendwo im Garten hinlegen - aber vorsicht, dass ihn nicht jemand wegwirft. Gibt es um ein paar Euro im Baumarkt zu kaufen.
  • An ungewöhnlichen Plätzen
    Jedes Haus, jede Wohnung hat Besonderheiten, die sie von anderen unterscheiden. Die gilt es aufzuspüren. Beispielsweise das lose Brett der Treppe, das sich rausziehen und wieder reinstecken lässt; der Hohlraum darunter ist schon mal nicht schlecht. Auch nicht schlecht: Die Rückseite eines Schrankes, der sich schwer bewegen lässt; an die kann man was drankleben. Für weitere Verstecke einen ruhigen Nachmittag abwarten und sich auf die Suche begeben.
  • Geldgürtel
    Wer Geld transportieren will, kann es in einem Geldgürtel verstecken. Sieht aus wie ein normaler Gürtel, hat aber ein Geheimfach, in dem man Geldscheine (oder Papiere) verbergen kann.
  • Beintasche
    Eine Tasche, die man am Unterschenkel befestigt und in der man – gut unter der langen Hose versteckt – seine flachen Wertsachen transportieren kann. Es gibt auch Taschen, die man unter dem Hemd, um den Bauch oder unter der Schulter trägt, andere hängt man um den Hals. Dienen alle demselben Zweck.
  • Buchversteck
    Auf dem Flohmarkt ein dickes, unauffällig aussehendes Buch mit hartem Einband kaufen. Mit einem scharfen Messer (z.B. einem Tapezier- oder einem Teppichmesser  – Vorsicht Finger!) in der Mitte des Buchblocks ein Versteck ausschneiden. Das Buch im Bücherregal verstecken. Man kann solche „Buchsafes“ auch kaufen, aber selber machen ist lustiger.

Sich selber verstecken

Wer sich in freier Natur verstecken will, sollte sich an die Ratschläge der Profis halten ((z.B. in dem Buch „Sicherheit, Orientierung, Routenplanung. Das Survivalwissen der Eliteeinheiten“, Pietsch Verlag). Die raten unter anderem Folgendes:

  • Sich der Umgebung und deren Grundformen anpassen!
    Das bedeutet:
  • auf flachem Gelände hinlegen
  • im Wald aufrecht stehen
  • auf einem Baum auf einen Ast legen
  • zwischen Felsen hinsetzen
  • Darauf achten, dass man nicht auffällt!
    Und das tut man, indem man vermeidet,
  • eine klar erkennbare Silhouette abzugeben (vor einem hellen Hintergrund)
  • sich rasch zu bewegen
  • einen sich bewegenden Schatten zu werfen
  • reflektierende Gegenstände am Körper zu tragen (Uhren, Brillen, Sicherheitsstreifen an der Jacke)
  • starke Kontraste hervorzurufen (helle Kleidung, helles Gesicht vor dunklem Hintergrund).
  • Ein paar schnelle Ideen fürs Versteckspielen.
  • in einem hohlen Baum
  • unter einem umgedrehten Ruderboot
  • unter der Kellertreppe
  • hinter der Mauer zum Nachbarn
  • unter dem Bett der Eltern
  • in der Doppeltür des Hintereingangs
  • auf dem Schrank bzw. dem Dachboden.

Ein spannendes Spiel namens „GPS-Schnitzeljagd“

Für dieses Spiel braucht man einen GPS-Empfänger (GPS steht für „Global Positioning System“). Diese Geräte sind mittlerweile recht billig zu haben; sie befinden sich in jedem zweiten Auto und immer öfter auch in ganz normalen Handys. Sie können etwas ganz Besonderes: Sie verraten jedem, der sie in Händen hält, ganz genau, wo er sich eben befindet und wohin er sich bewegen muss, wenn er an einen bestimmten anderen Ort will.

Soweit die Voraussetzung für das Spiel namens „Geocaching“, das im Deutschen auch „GPS-Schnitzeljagd“ genannt wird. Die Schnitzeljagd funktioniert recht einfach. Erst geht jemand hin und versteckt einen „Geocache“ - das ist eine kleine wasserdichte Schachtel, in der ein Notizbuch und kleine Tauschgegenstände wie Überraschungseier, Schlüsselanhänger oder Kaugummis liegen. Dann wird die exakte Lage dieser Box anhand des GPS-Geräts bestimmt und im Internet veröffentlicht (zum Beispiel bei www.geocaching.com, der Seite, die von sich sagt, die „Official Global GPS Cache Hunt Site“ zu sein).

Wer an dem Spiel teilnehmen will (kostet nichts), schaut auf der Homepage nach, wo in seiner näheren Umgebung ein Geocache versteckt wurde. Wenn er einen oder mehrere gefunden hat, nimmt er sein GPS-Gerät und macht sich auf die Suche. Sobald er die kleine Schachtel gefunden hat, schreibt er seinen Namen ins Notizbuch; wenn er will, kann er noch was tauschen (Kaugummi gegen Kugelschreiber zum Beispiel) und es ebenfalls vermerken, aber das muss nicht sein. Dann macht er noch ein Foto von sich und der Box und legt sie wieder dorthin zurück, wo er sie gefunden hat. Fertig. Auf, zum nächsten Versteck! Wenn der Finder des Geocache wieder zu Hause ist, vermerkt er im Internet, dass er die Box gefunden hat und lädt vielleicht noch ein Foto von sich hoch. Es gibt viele verschiedene Arten von Geocaches, die das Suchspiel zusätzlich variieren. Beispielsweise gibt es Caches, die man erst findet, wenn man vorher ein Rätsel löst.

Menschen, die von diesem Spiel keine Ahnung haben (und zum Beispiel zufällig Geocaches finden und nichts damit anzufangen wissen), werden von den Spielern „Geomuggels“ genannt. Der Begriff ist an jenen Namen angelehnt, den sich die Autorin von Harry Potter ausgedacht hat: Als „Muggel“ werden alle Nicht-Zauberer bezeichnet, also alle normalen Menschen wie wir, die bis vor fünf Minuten auch noch Geomuggel waren.

Wir Jungs – zum hören 1

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Seit Freitag, dem 19. September, gibt es auf Radio eins (Rundfunk Berlin Brandburg) eine neue Kolumne mit dem Titel “Männer, Helden, Patienten. Das Gespräch zwischen Zipfel und Adamsapfel. Mit Dr. Christian Ankowitsch”.

In der wöchentlichen Kolumne sollen all jene Themen zur Sprachen kommen, die den zeitgenössischen Mann beschäftigen: Die Sache mit dem Selbstverständnis, Beziehungs- und Emanzipationsfragen, Erziehungsrätsel, Probleme mit beginnendem Haarausfall und der Autobordelektronik.

Befeuert und organisiert wird die Kolumne vom Apparat, namentlich Volker Wieprecht & Robert Skuppin.

Die erste Folge widmete sich dem Thema: Männer, Familie und Karriere – wie passt das zusammen? Und warum heisst es, die Sache mit der Emanzipation falsch verstehen, wenn jetzt nach den Frauen auch die Männer damit beginnen, ihre Karriere der Familie zu opfern.

Viel Spass - und: Nur für Erwachsene (so der Claim von Radio eins).

Kurzer Zwischenruf in Sachen Zerstörungslust

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Solange wir unsere Jungs dabei beobachten, wie sie verwegene Türme aus Klötzchen, schnelle Rennautos aus Lego oder idyllische Baumhäuser aus Brettern bauen, ist alles in bester Ordnung. Unsere Jungs! Sind sie nicht toll! Und so kreativ!
Sobald sie jedoch damit beginnen, die Legotürme lustvoll zu zertrümmern, ihre Spielzeugautos mit China-Böllern in die Luft zu jagen oder das Baumhaus zu demolieren, hört sich der Spass auf. Warum eigentlich? Es besteht kein Grund dazu. Meistens zumindest.

Kaum lassen es unsere Jungs mal ein bisschen krachen und demolieren etwas, stossen sie an die Grenzen unserer liberalen Gesellschaft – genauso wie jene Jungs, die mit Spielzeugpistolen um sich ballern und sich gelegentlich mit ihren Spielkameraden prügeln. In dem Kapitel „Kleine Meditation über aggressive Jungs“ ist ausführlicher davon die Rede, was es mit dem menschlichen Hang zur Aggression auf sich hat (Seite 88).

An dieser Stelle ein kurzer Zwischenruf zur Erinnerung, weil sich viele Jungs dauernd fragen lassen müssen, was ihnen denn einfalle, wenn sie mal mit größter Freude irgendetwas zerstören. Also: Aggressiv zu sein ist natürlich; daher geht jede Forderung, immer friedlich zu bleiben, über das Wesen der Jungs hinweg. Worum es hingegen wirklich geht ist, wie die Jungs mit ihren Aggressionen umgehen, in welcher Form und wo sie sie ausleben – und wo nicht.

Am schnellsten entwickeln wir eine angemessene Haltung zur gelegentlichen Zerstörungslust der Jungs, wenn wir uns ansehen, welchen Zweck sie haben kann. Sie dient nämlich dazu:

  • zu erkennen, wozu man körperlich in der Lage ist. Keine schlechte Erfahrung wenn es das nächste Mal darum geht, einen anderen Menschen oder etwas Zartes vorsichtiger zu behandeln. Wenn man sich also beim Gerangel mit einem kleineren Freund ohne nachzudenken auf ihn draufwirft und damit so weht tut, dass er weinen muß; oder wenn man eine filigrane Glasfigur anfaßt wie einen Holzstock und sie dabei in tausend Scherben geht.
  • zu spüren, dass auch an Dingen große Gefühle hängen können und man jemanden kränkt, wenn man seinem Lieblingskuscheltier einen Arm ausreißt oder wenn man dessen sorgfältig gehütete Sammlung von Blumen-Blättern in Flammen aufgehen läßt.
  • sich von den Eltern abzulösen. Viele Entwicklungsschritte hin zum Erwachsenen werden von aggressiven Tendenzen ermöglicht und gefördert; mit ihren heftigen Auftritten formen Jungs ihre selbständige Persönlichkeit. Wenn beispielsweise die kleinen Jungs die großen mit Beleidigungen attackieren, um zu zeigen, dass sie schon groß sind – und zugleich provozieren, dass ihnen ihr Gegenüber jene Grenze zeigt, die sie nicht überschreiten sollen.
  • einfach Spaß zu machen. Wie jeder aus eigener Erfahrung weiß, kann es ziemlich unterhaltsam sein, erst eine lange Reihe von Dominosteinen aufzubauen oder einen Papierflieger zu falten, um anschließend dabei zuzusehen, wie die Steine umfallen oder der brennende Flieger durch den Garten segelt.
  • Platz zu schaffen für neue Dinge. Das beginnt beim Lego (man muss ein Haus kaputt machen, wenn man ein Auto bauen will) und endet bei der Demontage der Kinderzimmereinrichtung, wenn die Jungs zu alt für Bären und Luftballons geworden sind. Nun gut, nicht jeder Entwicklungsschritt sollte dazu führen, dass die Einrichtung kaputt geht, auch die stellvertretende Demontage der Bärenverzierungen am Stockbett erfüllt diesen Zweck.
  • die Entdeckerfreude zu befriedigen. Wenn man nämlich (tunlichst alte) Geräte zerlegt, um zu wissen, was drinnen ist, gewinnt man eine Vorstellung technischer Komplexität. Doch befriedigen läßt sich diese Freude bisweilen nur, indem man etwas zerstört (oder sogar tötet – wie beispielsweise die legendären Frösche).
  • blinde Aggressionen in geregelte Bahnen zu lenken. Beispielsweise wenn man den Jungs ermöglicht, aus Frustration über große Ärgernisse ein wenig durch den Wald zu toben und dabei zur Sache zu gehen.

Bevor wir uns freilich allzu gemütlich in der Erkenntnis einrichten, die Zerstörungslust der Jungs sei ausschließlich positiv zu bewerten, hier ein großes ABER: Die oben angeführten Beispiele und Begründungen können uns großen Jungs nicht die Arbeit abnehmen, von Fall zu Fall zu entscheiden. Also uns bei jeder Form von Aggressivität zu fragen: Ist das normal? Oder bahnt sich da ein Problem an, dem wir uns umgehend zuwenden müssen?

Kommen ein paar Jungs nach einem nächtlichen Ausflug durch den Park zurück, bei dem sie ein paar Parkbänke umgekippt haben, so kann dieser Quatsch mehrere Gründe haben (und welcher der zutreffende ist, wird sich nur von Fall zu Fall beurteilen lassen): War das

  • ein Dummerjungenstreich, der eine einmalige Sache bleiben wird?
  • oder machen die Jungs das immer wieder und versuchen damit, Probleme mit ihren Eltern oder der Schule in den Griff zu bekommen?

Was diese Differenzierungsarbeit zusätzlich schwer macht, ist der Umstand, dass es relativ wenige Eltern gibt, die sich der Aggressivität ihrer Jungs entspannt annehmen. In der Mehrheit sind vielmehr zwei andere Gruppen: Jene, die jede Form aggressiver Äußerungen und Taten als Anzeichen einer Katastrophe werten – dazu gehören all jene, die bereits in einer simplen Rangelei zwischen Jungs, wie sie früher einmal das Normalste in der Jungswelt war, einen Fall für den Kinderpsychologen sehen. Auf der anderen Seite stehen all jene Eltern, die sich um das Wohl ihrer Jungs so wenig kümmern, dass diese eben jene Aggressivität als einzigen Weg betrachten, um sich bemerkbar zu machen.

Wir sollten den Mut haben, uns in diesem Fall für die entspannte Mittellage zu entscheiden. Und dazu gehört mitunter laut und vernehmlich festzustellen: „Unsere Jungs? Die zertrümmern schon mal etwas – und wir lassen uns davon keine Sekunde aus der Ruhe bringen!“

Weg mit dem Handy – zumindest manchmal

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Das Handy gehört zur Grundausstattung cooler Jungs: sich verabreden, simsen, Fotos machen, Musik hören, schnell Bescheid sagen.
Alles schön und gut – nur haben die Handybesitzer dafür etwas Kostbares eingetauscht: die Möglichkeit, eine Zeit lang unerreichbar zu sein.

Natürlich hat das Handy jede Menge Vorteile, keine Frage:

  • Wer sich verspätet oder etwas vergessen hat, kann schnell zu Hause anrufen
  • wem es gerade nicht so gut geht, der kann sich Trost zusprechen lassen
  • wer nicht weiter weiß, kann Papi anrufen und hoffen, dass er einen Ausweg kennt
  • wer seine Freunde vermisst, kann ihnen eine Nachricht schicken
  • wer etwas Tolles erlebt, kann den anderen ein kurzes Video davon senden
  • wer sich um seine Jungs sorgt, der kann kurz mal anrufen und sich von ihnen beruhigen lassen (und im allerschlimmsten Fall kann man seine Jungs auch orten).

Diese kleine Liste ließe sich noch ein wenig fortsetzen. Doch wie lange sie auch wird, sie kann nicht vergessen machen, dass das Handy eine ziemlich unangenehme Auswirkung hat: Man ist immer und überall erreichbar. Und das bedeutet umgekehrt: Man kann nie ganz für sich sein und etwas Geheimes machen.
Die großen Jungs, die das hier lesen, werden sich noch daran erinnern, wie das während ihrer Kindheit war: Aus der Schule nach Hause gerast, schnell Hausübungen gemacht und dann nichts wie los. Es gab nur eine unmissverständliche Anweisung und die lautete: „Wenn es dunkel wird, bist du wieder da!“. Natürlich wurden den Jungs viele ermahnende Worte hinterher gerufen, aber kaum aus dem Haus war es mit dem Dazwischenreden vorbei.
Anschließend war man paradiesische Stunden lang einfach weg. Verschwunden. Machte sein Ding mit den Freunden, alleine, an verbotenen und an erlaubten Orten, im Wald, im „Käfig“ auf dem Spielplatz (wo man Fußballspielen konnte), am Fluss. Die einzige Kontrolle bestand darin, dass man das eherne Gesetz im Kopf hatte („Wenn es dunkel wird, bist du wieder da!“) und dass man aufpassen musste, nicht von den Nachbarn beobachtet zu werden. Wenn es etwas Wichtiges zu besprechen gab, dann musste das bis zum Abend warten (und hatte sich dann vielleicht schon erledigt). Und wer sich um seine Jungs sorgte, musste lernen, das auszuhalten – und wenn es gar nicht ging, dann musste er sie eben suchen gehen. Ja, so war das, und das ist noch gar nicht lange her.

Und heute? Heute verbindet eine unsichtbare, dafür aber umso stärkere Leine die Jungs mit ihren Eltern. Sie spannt sich zwischen den Handys der Familie auf, ist ziemlich zäh und schwer zu kappen. Jeden Moment kann das Handy klingeln und auf dem Display aufleuchten „Papi“ oder „Mami“. Und dann heißt es: „Wo bist du gerade?“ – „Was machst du eben?“ – „Wann kommst du nach Hause?“ – „Mir ist gerade eingefallen: Wie ist es denn heute mit dem Biologie-Test gelaufen?“.

Natürlich ist das angenehm, wenn man merkt, dass es Menschen gibt, die sich um einen sorgen. Aber dauernd? Und bis ins letzte Detail? Natürlich hat jedes Handy einen Ausschaltknopf, um diesen ständigen Nachfragen und Ermahnungen zu entgehen. Doch wer ihn betätigt, muss sich, kaum ist er wieder erreichbar, fragen lassen, warum er es vorher nicht war: „Wie kannst du nur! Ich habe mir solche Sorgen gemacht!“.
Diese ständige Erreichbarkeit kann die Pest sein. Und sie ist es oft auch. Wenn man dann noch bedenkt, wie eng der Bewegungsraum der Jungs in den vergangenen Jahrzehnten geworden ist, dann muss man als einer von den großen Jungs ganz laut seufzen – nicht nur wegen der Kleinen, sondern auch wegen sich selber (siehe auch den Abschnitt „Platz da für die Jungs“ auf Seite 201-204).
Diesen wichtigen Aspekt sollten die großen wie die kleinen Jungs bei ihren Debatten um die Anschaffung eines Handys oder die Bezahlung viel zu hoher Rechnungen bedenken. Und vielleicht erscheint das coole neue Teil mit dem mp3-Player und der 3-Megapixel-Kamera plötzlich gar nicht mehr so erstrebenswert?

Rezension 2: Remanzipation, jetzt!

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Am Mittwoch, dem 10. September 2008, erschien im Feuilleton der FAZ eine Kurzkritik über das Jungsbuch.

Darin schreibt der Autor “oju”, das Jungsbuch sei genau genommen ein “Erziehungsberaten mit Manifestcharakter”. Und weiter: “C.A. wehrt sich mit einem liebenswürdigen Plädoyer gegen die Entmachtung des eigenen Geschlechts”.

Details der Rezension 20080910_faz_rezension nachlesen.